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Kennst du diesen Typen? Fast jeder Club hat so ein Prachtexemplar, den die restlichen Mitglieder fürchten. Bei der Auslosung der Clubmeisterschaften atmest du laut auf, wenn du siehst, dass dir frühestens im Finale ein Zusammenprall mit ihm bevorsteht. In der Verbandsrunde ist er bekannt wie ein bunter Hund und die gegnerischen Mannschaften erzählen sich untereinander Anekdoten über die epischen Zwischenfälle seiner Matches. Der “Dirty Talker” ist meist ein guter Tennisspieler, aber perfektioniert hat er eine andere besondere Fähigkeit: das facettenreiche Provozieren auf dem Tennisplatz.

Er führt nonstop Monologe und kommentiert lautstark jeden Punkt. Selbst die Spieler auf dem hintersten Platz hören und verstehen ihn deutlich. Als ob das nicht genug ist, bezieht er auch gerne das Publikum mit ein und verwickelt Oberschiedsrichter in Gespräche.

Dir als seinen Gegner widmet er aber die meiste Aufmerksamkeit und stellt dir mal zwischendrin völlig zusammenhanglos eine blöde Frage:

„Du weißt schon was heute für ein Tag ist, oder?“

Oder “lobt” dich wenn du einen Winner schlägst:

“Da muss schon einiges zusammenkommen, dass du einen Punkt machst!”

Führt das nicht zu seinem Ziel, setzt er auch mal einen drauf und täuscht Verletzungen vor, unterbricht das Match weil er auf die Toilette muss oder wälzt sich auf dem Boden vor angeblichen Krämpfen.

Warum die Show?

Seine Provokationen erreichen ihren Höhepunkt wenn er im Rückstand ist. Das ist kein Zufall: damit will er dich aus deinem Rhythmus bringen, dich stören, dich zwingen sich über ihn aufzuregen. Lässt du dich von ihm mitreissen und konterst verbal, hat er dich genau da wo er dich haben will.

Deine Konzentration ist hin und dein Spiel leidet darunter. Die Fehlerquote steigt plötzlich. Du verlierst die Kontrolle, über dich und über das Match. Für die Zuschauer sind solche Spiele von hohem Unterhaltungswert, ganz besonders wenn zwei vom gleichen Schlag aufeinandertreffen. Das ist ein Highlight bei jedem Turnier.

Für uns Spieler ist der „Dirty Talker” sehr unangenehm. Er ist brandgefährlich und steckt voller Überraschungen. Wir brauchen eine gute Strategie, starkes Selbstbewusstsein und belastbare Nerven, um die Attacken dieses Typen erfolgreich abzuwehren und am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.

Wie kannst du gegen den “Dirty Talker” gewinnen?

Du trainierst deine Resilienz indem du den Dirty-Talker in deinem Club ausfindig machst und oft gegen ihn Trainingsmatches absolvierst. Spiele dabei auf dem Center Court der Tennisanlage, dort ist es meistens am lautesten. Clubmitglieder, die vorbeilaufen und quatschen, lärmende Kinder, klingelnde Handys. Die Provokationen des “Dirty Talkers” und die äusseren Umstände reizen dich sicher bei den ersten paar Matches bis zum Äussersten.

Mit der Zeit und Übung lernst du deine Emotionen zu kontrollieren. Konzentriere dich dabei voll und ganz auf dich – nimm jeden Störfaktor, sei es der „Dirty Talker“ oder Lärm von draußen, als eine Herausforderung an deinen Fokus. Mache daraus einen eigenen Wettkampf, zähle wie oft du es schaffst ruhig zu bleiben und wie oft du die Nerven verlierst. Der eigentliche Spielstand spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Das mentale Training für deine Widerstandsfähigkeit hat Priorität. Führe am besten Buch über deine mentalen Siege. So behälst du deinen Fortschritt im Auge und die Motivation bleibt erhalten.

Die positive Entwicklung stärkt dein Selbstbewusstsein, das dir für kommende Matches Sicherheit und mentale Stabilität gibt.
Je öfter du dich also in diese unangenehme Situation bringst, desto besser kannst du damit umgehen. Dein mentales Setup ist: provoziert dich dein Gegner, bist du extra gelassen.

Wütend versucht er dir dann Bälle und Spüche um die Ohren zu hauen. Seine Fehlerquote steigt durch Ungeduld und Verzweiflung. Der mentale Sieg ist jetzt dein. Nun hast DU ihn, wo Du ihn haben willst. Mit stoischer Ruhe spielst du die Bälle sicher ins Feld, ohne Anstrengung, ja sogar mit einer Art Leichtigkeit.

Das gibt ihm den Rest. Seine bewährte Taktik funktioniert nicht, seine schärfsten Sprüche verfehlen dich. Er resigniert.
Du hast es geschaft. Fokussiert und ruhig ziehst du die Taktik durch und machst den Sack zu.

Mit konsequenter Übung und etwas Zeit drehst du den Spieß um:

der “Dirty Talker” hat Angst vor dir!

Bildcredits: Pixabay

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