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Wir alle kennen die Situation: Es steht ein wichtiger Punkt beim eigenen Aufschlag an und dann kommt es wie es kommen muss, wir machen gerade jetzt einen Doppelfehler. Doch wie kommt es so weit, dass wir einen so profanen Fehler machen. Der Aufschlag ist der einzige Schlag im Tennis bei dem wir nicht auf den Schlag unseres Gegners reagieren müssen, sondern in unserem eigenen Tempo zum Schlag ansetzen können. Gerade dieser Umstand scheint in prekären Situationen für viele Spieler eher eine Hürde als einen Vorteil zu sein. Sicher ist der Aufschlag einer der komplexesten Schläge beim Tennis, allerdings ist er auch wie Vorhand, Rückhand und alle anderen Schläge durch reine Wiederholung und korrekte Technik-Anweisungen genauso erlernbar.

Was ist also das Problem?

Lasst uns das etwas genereller beleuchten, um nicht die Komplexität des Aufschlags als Ursache zu verteufeln.

„Choking under pressure“, auf deutsch: Versagen unter unter Druck ist ein bekanntes psychologisches Phänomen, das alle Performer verfolgt, die unter Druck hohe Leistungen erbringen müssen, sei es Schauspieler, Musiker, Redner oder eben Sportler. Ganz offensichtlich lassen sich die Performer von ihrer Nervosität beeinflussen. Hier gibt es zwei Thesen warum sich das so negativ auf die Leistung auswirkt. Beide besagen, dass bei „Choking under pressure“ die Konzentration ausschlaggebend ist.

  • Die erste These besagt, dass unsere Konzentration darunter leidet wenn der Kopf zu sehr mit Angst, Zweifel oder Sorgen beschäftigt ist. Unsere Gedanken kreisen also wie ein negativer Nebel in unserem Kopf, statt die konzentrierte Aufmerksamkeit darauf zu verwenden die vorliegende Aufgabe zu lösen. Da wir nicht in der Lage sind so viel Information auf einmal zu verarbeiten, ringen in unserem Kopf die wichtigen und unwichtigen Gedanken um ein und die selbe Aufmerksamkeit. Anspruchsvolle Aufgaben, die unser Arbeitsgedächtnis beanspruchen, das wir auch dazu nutzen uns kurzzeitig Telefonnummern oder Einkaufslisten zu merken, setzen unser Gehirn besonders bei stressigen Situationen unter Druck.Das bedeutet unter Stress können wir uns nicht auf die anspruchsvolle Aufgabe konzentrieren, da wir unsere Aufmerksamkeit ständig zwischen der wichtigen Aufgabe und der unwichtigen hin und her springt. In unserem Beispiel ist der Aufschlag die wichtige und die Gedanken wie Sorge und Angst, die unwichtigen.
  • Die zweite These besagt, dass wir in Drucksituationen dazu neigen die Aufgaben zu Überanalysieren. Das Gehirn fällt in den Lernmodus und analysiert den genauen Bewegungsablauf. Haben wir aber eine Bewegung oder Aufgabe schon automatisiert, hindert das Denken an die exakte Technik die automatische Ausführung.
    Versuchen wir also beim Aufschlag beim einem engen Spielstand uns genau an den Bewegungsablauf zu erinnern, ist die Wahrscheinlichkeit zu versagen sehr gross. Konzentrieren wir uns aber auf das Ziel, also den Ball ins Aufschlagfeld zu spielen und spulen die Aufschlagbewegung dabei automatisch ab, ist die Wahrscheinlichkeit zu treffen sehr gross.

Der Umgang mit dem Versagen spielt auch eine grosse Rolle, ob wir in Zukunft immer wieder unter diesem Phänomen zu leiden haben. Natürlich reagieren manche sensibler als andere, vor allem diejenigen die sowieso mit Unsicherheit zu kämpfen haben oder eine negative Beurteilung durch andere befürchten.

Wie können wir aber Versagen unter Druck vermeiden und den richtigen Umgang nach dem Versagen finden?

Das einfachste das wir tun können ist es uns so oft wie möglich unter Stress zu trainieren. Statt sich den ruhigsten Platz auf der Anlage zu suchen, nehmen wir den Center Court und bitten den Chef des Clubrestaurants die Musik besonders laut aufzudrehen. Je öfter wir uns in eine Situation unter stressigen Bedingungen geben, desto resilienter werden wir. Das besagt auch die Theorie von Antifragilität von Nassim Taleb. Unsere Widerstandsfähigkeit gegen Stress ist wie ein Muskel, den man durch gezieltes Training stärken kann.

Das Nächste was wir tun können sind uns Rituale anzugewöhnen. Die Entwicklung von eben solchen ist in Drucksituationen extrem hilfreich. Bevor wir uns an einen anspruchsvollen Bewegungsablauf in einer Drucksituation herantrauen, spulen wir unser Ritual das ebenfalls aus einer Reihe bestimmter Bewegungen bestehen kann. Das Ausführen des Rituals versetzt unseren Kopf in den Modus der automatisierten Bewegungen und wir führen wie von selbst die anspruchsvolle Aufgabe aus. Das beste Beispiel dafür ist Rafael Nadal, vor jedem Aufschlag führt er ein sehr genau einstudiertes Ritual aus, das es ihm ermöglicht seine gewohnte Leistung abzurufen.

Dann können wir es damit versuchen uns statt auf eine interne auf eine externe Fokussierung zu beschäftigen, bedeutet sich auf das Ziel zu konzentrieren und nicht auf den technischen Ablauf. Stellt euch nur dabei vor wie seltsam es wäre sich als routinierter Autofahrer jedes mal beim Anfahren an einem Berg den genauen Ablauf im Kopf durchzugehen: Fuss von der Bremse aufs Gaspedal und gleichzeitig die Kupplung mit dem linken Fuss kommen lassen. Diese Situation war aber in der Fahrschule und in den ersten Monaten mit Führerschein eine absolute Stresssituation in der uns auch garantiert das Auto das eine oder andere mal abgesoffen ist. Irre wenn man daran zurück denkt. Heute fahren wir einfach los.

 

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